Entdeckt: Holunder-Wunder in der Hallertau

Holunderbauer sein, bedeutet sehr viel Handarbeit. Wir haben uns mit dem Ehepaar Kreitmair aus Notzenhausen über die Vor- und Nachteile des schwarzen Beerengoldes unterhalten. Und warum es trotzdem viel Spaß macht!

Schnipp, schnipp, schnipp – ein eigentümliches Geräusch, das heute morgen um 6 Uhr am Waldrand bei Notzenhausen zu hören ist. Erzeugt wird es von vier Paar Scheren, die schwarzrote Dolden mit Holunderbeeren von den Bäumen knipsen. Sanft werden die Beeren in blauen Kisten abgelegt. Es ist Erntezeit auf der Holunderplantage der Familie Kreitmair vom Biohof Kreitmair.

Wir wollen Alfons Kreitmair und seinen Helfern beim Einsammeln der Fruchtdolden zusehen und müssen deswegen früh aufstehen. Denn im Moment findet die Ernte von sechs bis zehn Uhr morgens statt. Danach ist es zu heiß. Die Hitze macht nicht nur den Erntehelfern zu schaffen, sie lässt die sensiblen Beerchen auch leichter verderben.

Konzentriert bei der Arbeit und trotzdem immer für ein kleines Späßchen zu haben, so bewegt sich der Erntetrupp durch die Plantage. Zehn Tonnen Holunderbeeren finden so, über mehrere Wochen verteilt, ihren Weg vom Baum, erklärt Alfons. Alle einzeln, von Hand, geerntet.

Abenteuer Holunderanbau

Holunder ist keine einfache Feldfrucht. Sie will gehegt und gepflegt werden. Wie kommt man auf die Idee, als junges Paar mit dem Holunderanbau anzufangen? Katharina Kreitmair (30) erklärt uns das so:

„Wir wollten uns vor zehn Jahren ein eigenes Standbein schaffen. Mein Schwiegervater war noch zu jung, um den Betrieb zu übergeben. Durch ein Buch haben wir uns dann mit dem Holunderanbau beschäftigt, dazu recherchiert, es durchgerechnet und dann gedacht: Das probieren wir einfach.“

Ganz so einfach, wie das klingt, war es natürlich nicht. Zuerst gründeten die beiden einen Biolandbetrieb, mit Ackerbau und eben der ersten Holunderplantage. Von den einjährigen Setzlingen bis zur ersten Ernte vergingen dann aber erst mal drei Jahre. Jahre, in denen viel zu tun war und ist. Da wird gedüngt, gejätet und (in Form) geschnitten.

Holunderanbau mit Hindernissen

Außerdem gab es auch einige Stolpersteine auf dem Weg. Wie die Wühlmäuse. Die mochten die Wurzeln der Holunderbäume zum Fressen gerne. Nicht lustig, zumal man als Biobetrieb den Tieren natürlich nicht mit Gift zu Leibe rücken möchte. Abhilfe schuf schließlich ein Gerät, das die Reihen zwischen den Plantagen durchpflügte und vom Unkraut befreite. Ganz nebenbei brachte es auch die Eigentumswohnungen der Wühlmäuse gehörig durcheinander. Ständig neu bauen? Zu anstrengend! Und so haben die Mäuse inzwischen das Weite gesucht.

„Der größte Rückschlag war aber als unser erster Vertragsabnehmer insolvent gegangen ist. Der Markt für Holunderbeeren ist nicht besonders groß.“

Durch diese unangenehme Erfahrung haben sich die Kreitmairs inzwischen breiter aufgestellt. Das bedeutet, rund 20 Prozent ihrer Ernte verarbeiten und vermarkten sie selbst. Dafür wurde im Mai 2017 ein eigenes Gebäude errichtet, mit Lager- Verarbeitungs- und vor allem auch Verkaufsräumlichkeiten.

Vorliebe für schwarze Früchte

Und so kommt es, dass man inzwischen in Notzenhausen nicht nur ein gutes Wirtshaus (von Kreitmair Senior) findet, sondern auch einen kleinen Hofladen. Dort schmiegt sich in den Regalen Holunderbeeren-Gelee an Holunderblüten-Sirup, Holunderbeeren-Balsamico an Aronia-Saft. Moment – Aronia-Saft? Ja, neben dem Holunder wachsen mittlerweile noch andere dunkle Früchte auf dem Kreitmairschen Anwesen: Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und eben auch Aronia.

„Aronia-Saft ist bei Verköstigungen einer der Verkaufsschlager.“

Denn ein weiteres Standbein, das Katharina viel Freude bereitet, ist, Menschen für ihre Produkte auch über Vorträge und Führungen zu  begeistern. „Holunder-Wunder“ heißt eine der Veranstaltungen.

Holunder-Führungen beim Biohof Kreitmair

„Der Holunder ist eine traditionelle Pflanze und Kulturgut. Und deswegen finde ich es schön, wenn man dieses alte Wissen auch weitergibt und weiterlebt. Altes Wissen, dass die Alten oft noch kennen, aber die Jungen kaum mehr.“

Wer ist sich schon bewusst, dass der Holunder ein Gewächs ist, das das Gebäude an dem er gedeihen darf, vor Geistern und Hexen schützt. Besonders viele lokale Vereine oder auch der Frauenbund lässt sich gerne über die alten Bräuche und Gebräuche der schwarzen Beeren aufklären.

Holunderanbau schweißt zusammen

Auch wenn ihr eigenes Leben eng mit dem Holunder verwoben ist, grundsätzlich würde Katharina anderen eher nicht zum Holunderanbau raten. Denn auch, wenn ihr das Spaß macht, Holunderbauern arbeiten sehr viel mit der Hand. Aber nicht nur das.

„Der Anbau erfordert spezielle Technik, spezielle Maschinen. Man muss viel investieren, ein gutes Durchhaltevermögen haben und kreativ sein.“

Nicht zuletzt braucht man auch den richtigen Menschen an der Seite, der einem hilft, die Höhen und Tiefen zu überstehen. Die dreifache Mutter ist froh, dass sie dafür ihren Mann Alfons hat.

„Wir waren beide erst 20, als wir mit dem Holunderanbau angefangen haben. Und das war auch gut so. So haben wir lange Zeit uns zu entwickeln. Investitionen machen wir für uns und nicht für die nächste Generation. Wir können uns so ausleben und ausprobieren, wie wir wollen. Und das ist etwas Schönes!“

Holunderprodukte für dich und mich

Neue Ideen zum Ausprobieren hat die gelernte Landschaftsgärtnerin noch einige in der Schublade. Da wäre der Online-Shop, der demnächst aufgesetzt werden soll. Kochkurse stehen auch auf dem Zettel. Und die Führungen sollen weiter ausgebaut werden.

„Ich möchte zum Beispiel gerne ‚Ernte-Events‘ machen, etwa als Team-Building-Maßnahme. “

In der Zwischenzeit ist Alfons mit dem Anhänger, vollbeladen mit blauen Holunder-Erntekisten, wieder auf dem Hof angekommen. Das „schwarze Gold“ wird von ihm in riesenhafte grüne Kisten gehoben. Er lacht dabei, als er die Hände in die kühlen Früchte gräbt. Das macht offensichtlich Spaß. Ein Teil der Früchte wird zum Weiterverkauf verpackt. Der Rest kommt zu Katharina in die Küche, wo sie ihn zu vitaminreichen Köstlichkeiten weiterverarbeiten wird.

Lust auf einen Besuch? Die Hintergrundinfos:

Öffnungszeiten Hofladen:
Mittwoch: 8:30 – 12:00 Uhr
Freitag: 14:00 – 18:30 Uhr
Samstag: 8:30 – 14:00 Uhr

Website: www.biohof-kreitmair.de

Adresse:
Biohof Kreitmair
Notzenhausen 2
84104 Rudelzhausen

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